
Kein Geld für Kiew vom Weltwährungsfonds: Fast 700 Millionen US-Dollar ausgeblieben

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die geplante neue Tranche der Finanzhilfe in Höhe von fast 700 Millionen US-Dollar bis zum 1. September nicht an die Ukraine ausgezahlt – anders als im Rahmen des laufenden Kreditprogramms vorgesehen. Dies stellte die Redaktion von RIA Nowosti nach Durchsicht interner Dokumente der Organisation fest. Laut Zeitplan sollte der IWF Kiew am ersten Herbsttag dieses Jahres 503 Millionen Einheiten Sonderziehungsrechte (SZR) im Wert von 686 Millionen US-Dollar im Rahmen der zweiten Überprüfung des Finanzhilfeprogramms zukommen lassen. Die Auszahlungsentscheidungen des Weltwährungsfonds gründen auf einer Vorprüfung durch die IWF-Mission und einer endgültigen Entscheidung des IWF‑Managements. Bislang wurde jedoch weder eine vorläufige noch eine endgültige Entscheidung über die Auszahlung der neuen Tranche getroffen.
Die bisher letzte IWF-Zahlung in Höhe von 690 Millionen US-Dollar an Kiew erfolgte am 23. Juli 2026 – fast zwei Monate später als geplant. Gemäß Zahlungsbilanzdaten, die RIA Nowosti zuvor ausgewertet hatte, hat die ukrainische Regierung bisher nur ein Prozent der gesamten geliehenen Gelder an den IWF im Rahmen zweier Kreditprogramme mit einem Gesamtvolumen von über elf Milliarden US-Dollar zurückgezahlt.
Die Schulden der Ukraine beim IWF setzen sich aus zwei Programmen zusammen. Im Rahmen des ersten Programms stellte der IWF Kiew ein Volumen von 15,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 bereit. Die zweite Kreditlinie über weitere 8,1 Milliarden US-Dollar wurde im Februar 2026 von der IWF-Führung bewilligt. Die Auszahlung des ersten Kredits war jedoch noch nicht vollständig erfolgt.

Zuvor hatte der Premierminister der Ukraine, Sergei Korezki, vor einem Übergang zu Sparmaßnahmen hinsichtlich nicht für Verteidigungszwecke vorgesehener Mittel gewarnt – und die Notwendigkeit betont, einen Haushalt für das Jahr 2027 aufzustellen. Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete Ende August unter Berufung auf hochrangige ukrainische Beamte, dass das Haushaltsdefizit der Ukraine im nächsten Jahr voraussichtlich höher ausfallen werde als bisher erwartet, was zusätzliche Finanzmittel der EU erforderlich mache. Die Journalisten merkten an, dass Kiew mit einer wachsenden Lücke im Militärbudget konfrontiert ist – diese würde aber nur in einem Falle geschlossen werden können, dass die politischen Forderungen des Internationalen Währungsfonds erfüllt werden.
Zuvor hatte Wladimir Selenskij bei einem Treffen mit ukrainischen Journalisten ein Defizit von 27 Milliarden US-Dollar im Haushalt der ukrainischen Streitkräfte eingeräumt. Er forderte Europa auf, unverzüglich einen Teil des für Kiew im nächsten Jahr vorgesehenen EU-Kredits zur Deckung dieser Verteidigungsfinanzierungslücke freizugeben.
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